"Ist das Leben nicht schön?"
- Eine romantisch verklärte Aussage, die durchaus zwei Bedeutungen haben kann. Für die einen ein Ausdruck der Zufriedenheit und Lebensfreude, für die anderen eine ironische Reflexion ihrer ständigen oder zumindest akuten Unzufriedenheit. Dieser Blog widmet sich vor allem den Leuten, die sich zu zweiterer Kategorie zählen.
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Es gibt nichts, was einem in dieser westlich gesprägten Welt so häufig über den Weg läuft wie Pessimismus. Überall wo man hin schaut wird man überflutet von Negativmeldungen, Rumgemecker, und Unzufriedenheit. Auf den Straßen, in Geschäften, in den öffentlichen Verkehrsmitteln, und sogar im eigenen Zuhause. Wer kennt nicht die Tage, an denen man einfach alles liegen lassen und einfach nur schlafen möchte, weil man keine Lust mehr auf irgendwas hat. Sich sozusagen hilflos fühlt. Und wenn man diese Phase überwunden hat, darf man sich gleich wieder das Leid anderer Menschen ansehen. Man braucht nur den TV anzuschalten und sieht, was auf der Welt los ist. Es gibt keinen Tag, der nicht von irgendeiner negativen Nachricht überschattet wird. Und da ist es nicht verwunderlich, dass der Eindruck entsteht die Welt, in der wir leben, sei einfach nur schlecht. Doch es scheint auch keinerlei Impuls von uns zu kommen. Größtenteils wird das Negative doch einfach nur konsumiert, ohne wirklich zu reflektieren, was es eigentlich ist. Wir beschäftigen uns nicht mehr wirklich damit, viel mehr haben wir alle diesen Reflex einfach nur darüber zu schimpfen und zu meckern. Eine Anstrengung sich mit den Themen zu befassen, oder sich Gedanken um Lösungen zu machen bleibt meistens aus. Natürlich steht es nicht in der Macht von so kleinen Bürgern wie uns, die Weltpolitik zu beeinflussen. Was will der kleine Mann, oder die kleine Frau schon groß anrichten? Es hört doch sowieso keiner auf uns. Oder ist das alles nur ein Trugschluss, den wir uns nur zu gerne vorlabern, um es uns möglichst bequem zu machen? Ja, in der Tat ist es so, dass einzelne Leute meistens überhört werden. Zumindest wenn diese keiner breiten Öffentlichkeit bekannt sind. Ist dies aber eine Entschuldigung dafür, in Untätigkeit zu verharren? Warum sollte man schließlich Energie und Zeit verschwenden, für etwas, was man sowieso nicht ändern kann?
Hätten unsere Vorfahren dieses Denken gehabt, dann gäbe es uns wahrscheinlich nicht. Zumindest hätten wir dann ein anderes Leben. Denn Veränderung geht immer von einem kleinen Impuls aus. Sozusagen der erste Anstupser. Ist es folglich nicht richtig sich aufzuraffen, und für etwas positives einzustehen? Was hindert uns daran, unsere Meinung Kund zu tun, und Gleichgesinnte zu finden? Denn eines kann man mit Sicherheit sagen: Man steht meistens nicht mit seiner Meinung alleine da! Vor allem dann nicht, wenn man für das Gute einsteht. Auch wenn das "Gute" ein sehr weit gefächerter Begriff ist, hat der Mensch eine Art Sinn dafür. Ein Kollektiv von Menschen, die für eine Sache einstehen, kann Berge bewegen! Es ist jedoch nicht leicht, so etwas durchzusetzen, und vielen fehlt die Motivation dazu.
Gibt uns das dann aber das Recht zu meckern? Oder machen wir uns mit einem solchen Gemecker dann nur lächerlich? Jeder kennt doch diesen Salopp genannten Spruch "Dann mach es doch besser". Ich finde der passt ziemlich gut. Wer selbst untätig bleibt, und nicht mal versucht etwas zu bewegen, der braucht sich nicht über den Rückgang oder den Stillstand beschweren. Machen wir uns doch nichts vor. Wir sehen uns doch immer wieder gerne in dieser Position des "ohnmächtigen" Bürgers. Wir haben es gerne bequem. Doch ich muss euch enttäuschen. Eine Gesellschaft braucht eben Leute, die aufstehen, und für das Gute einstehen. Und diese Leute sind wir! Ja, die Zukunft liegt in der jüngeren Generation. Und das war schon immer so. Doch die jüngere Generation scheint vieles nicht mehr zu interessieren. Es gibt kaum noch engagierte junge Leute, die sich für Wirtschaft, Bildung oder Politik interessieren. Die meisten sehen sich doch eher in der Rolle des passiven Konsumenten. Doch jeder hat die Chance etwas zu bewegen. Lasst uns etwas tun, und für unsere Ideale einstehen. Lasst uns auch mal um Ecken denken, und Denken, was andere vielleicht noch garnicht gedacht haben. Die Gesellschaft wird uns dankbar sein.
Samstag, 10. März 2012
Donnerstag, 22. September 2011
Ein Appell an die Moral
Mich beschäftigt in dieser Woche ein ganz bestimmter Fall, der in den Medien leider nur nebenbei angesprochen wurde: Der Fall um Troy Davis.
Für diejenigen, die nicht wissen um was es geht, paraphrasiere ich kurz die Hintergründe:
Troy Davis wurde 1991 von einem amerikanischen Gericht zum Tode verurteilt, da er 1989 am Tod eines Polizisten schuld sei. Schon während der Verhandlung in diesen zwei Jahren waren Zweifel an seiner Schuld immer wieder präsent. So war dieser, laut Eigenaussage, nicht am Tatort, und handfeste Beweise wurden auch nie gefunden. Die Verurteilung beruhte im Prinzip nur auf Zeugenaussagen. In einer weiteren Anhörung im Jahre 2010, dementierten 7 von 9 Zeugen ihre Aussage wieder, und stellten klar, dass sie von der Polizei zu ihrer Aussage gedrängt worden seien. Die restlichen zwei Zeugen, einer davon psychisch labil, der andere stand selbst einmal unter Verdacht, beharrten auf ihrer Aussage von vor 20 Jahren. Das Oberste Gericht entschied, entgegen der dürftigen Beweislage, am vorherigen Urteil festzuhalten. Gestern, am 21. September, wurde Troy Davis, nach vier stündiger Verzögerung, um 11.08 a.m (amerikanische Ortszeit) für tot erklärt.
Der Fall um Troy Davis rief weltweites Entsetzen hervor. Nicht nur bekannte Menschenrechtsorganisationen, wie Amnesty International, setzten sich für die Rechte des Verurteilten ein, sondern auch viele Privatpersonen, die Petitionen unterschrieben, oder auf die Straße gingen. Jeglicher Einsatz scheint aber umsonst gewesen zu sein.
"Im Zweifel für den Angeklagten" heißt es nicht nur in der deutschen Rechtsprechung, sondern auch in der Amerikanischen. Doch wo fand dieser Grundsatz bei diesem Prozess Anwendung? Ein Fall, der soviele Zweifel aufwirft, kann und darf nicht so enden. Nicht in einer Gesellschaft, die sich für die Menschenrechte stark macht. Kann man es verantworten, dass jemand, der vielleicht doch unschuldig ist, seines Lebens beraubt wird? Der Staat ist in diesem Falle nichts weiter als ein Mörder.
Was mich aber noch mehr entsetzt ist die Heuchelei, die man so oft in diesem Zusammenhang zu hören bekommt. Sehr viele Leute, natürlich auch die Familie des Ermordeten, sprachen sich für die Hinrichtung aus. Leute, die jeden Sonntag in die Kirche gehen und sich das Wort Gottes anhören, vielleicht auch privat die Bibel lesen, die sich selbst als wahre und gläubige Christen bezeichnen. Sie alle sagen, dass die Gerechtigkeit nur dann eintrete, wenn der Mörder seinen Tod gefunden hat. Doch wahre Christen morden nicht, auch nicht im Namen Gottes. Ihnen ist Gnade und Barmherzigkeit wichtiger, als Rache. Doch genau diesen Kontrast sieht man immer häufiger. Gerade in der USA fällt mir diese Heuchelei zwischen Religion, und praktiziertem Handeln immer wieder auf.
Ich finde es erschreckend, dass in einem Land, dass sich selbst als Schild und Schwert der Demokratie und Menschenrechte bezeichnet, noch solche Verhältnisse vorherrschen. Aber das gilt nicht nur für die USA, auch der restliche "Westen" sollte konsequenter an dieser Rolle festhalten. Wie glaubwürdig sind wir, wenn wir mit unserm Finger auf andere Staaten zeigen, aber es selbst nicht viel besser machen? Sollten wir nicht ein Zeichen setzen, und dem Hass in der Welt mit etwas mehr Barmherzigkeit und Vernunft entgegentreten, anstatt mit Gegenhass zu antworten? Nehmen wir damit dem Hass auf dieser Welt nicht das Futter, von dem er sich ernährt?
Troy Davis trat kurz vor seiner Hinrichtung sehr erhaben auf. Er beharrte bis zu letzt an seiner Unschuld, doch sprach er sein Verständnis gegenüber seinen Klägern aus. "Möge Gott euch verzeihen" - Sprach er, und ich hoffe die Leute werden sich noch ewig daran erinnern.
Für diejenigen, die nicht wissen um was es geht, paraphrasiere ich kurz die Hintergründe:
Troy Davis wurde 1991 von einem amerikanischen Gericht zum Tode verurteilt, da er 1989 am Tod eines Polizisten schuld sei. Schon während der Verhandlung in diesen zwei Jahren waren Zweifel an seiner Schuld immer wieder präsent. So war dieser, laut Eigenaussage, nicht am Tatort, und handfeste Beweise wurden auch nie gefunden. Die Verurteilung beruhte im Prinzip nur auf Zeugenaussagen. In einer weiteren Anhörung im Jahre 2010, dementierten 7 von 9 Zeugen ihre Aussage wieder, und stellten klar, dass sie von der Polizei zu ihrer Aussage gedrängt worden seien. Die restlichen zwei Zeugen, einer davon psychisch labil, der andere stand selbst einmal unter Verdacht, beharrten auf ihrer Aussage von vor 20 Jahren. Das Oberste Gericht entschied, entgegen der dürftigen Beweislage, am vorherigen Urteil festzuhalten. Gestern, am 21. September, wurde Troy Davis, nach vier stündiger Verzögerung, um 11.08 a.m (amerikanische Ortszeit) für tot erklärt.
Der Fall um Troy Davis rief weltweites Entsetzen hervor. Nicht nur bekannte Menschenrechtsorganisationen, wie Amnesty International, setzten sich für die Rechte des Verurteilten ein, sondern auch viele Privatpersonen, die Petitionen unterschrieben, oder auf die Straße gingen. Jeglicher Einsatz scheint aber umsonst gewesen zu sein.
"Im Zweifel für den Angeklagten" heißt es nicht nur in der deutschen Rechtsprechung, sondern auch in der Amerikanischen. Doch wo fand dieser Grundsatz bei diesem Prozess Anwendung? Ein Fall, der soviele Zweifel aufwirft, kann und darf nicht so enden. Nicht in einer Gesellschaft, die sich für die Menschenrechte stark macht. Kann man es verantworten, dass jemand, der vielleicht doch unschuldig ist, seines Lebens beraubt wird? Der Staat ist in diesem Falle nichts weiter als ein Mörder.
Was mich aber noch mehr entsetzt ist die Heuchelei, die man so oft in diesem Zusammenhang zu hören bekommt. Sehr viele Leute, natürlich auch die Familie des Ermordeten, sprachen sich für die Hinrichtung aus. Leute, die jeden Sonntag in die Kirche gehen und sich das Wort Gottes anhören, vielleicht auch privat die Bibel lesen, die sich selbst als wahre und gläubige Christen bezeichnen. Sie alle sagen, dass die Gerechtigkeit nur dann eintrete, wenn der Mörder seinen Tod gefunden hat. Doch wahre Christen morden nicht, auch nicht im Namen Gottes. Ihnen ist Gnade und Barmherzigkeit wichtiger, als Rache. Doch genau diesen Kontrast sieht man immer häufiger. Gerade in der USA fällt mir diese Heuchelei zwischen Religion, und praktiziertem Handeln immer wieder auf.
Ich finde es erschreckend, dass in einem Land, dass sich selbst als Schild und Schwert der Demokratie und Menschenrechte bezeichnet, noch solche Verhältnisse vorherrschen. Aber das gilt nicht nur für die USA, auch der restliche "Westen" sollte konsequenter an dieser Rolle festhalten. Wie glaubwürdig sind wir, wenn wir mit unserm Finger auf andere Staaten zeigen, aber es selbst nicht viel besser machen? Sollten wir nicht ein Zeichen setzen, und dem Hass in der Welt mit etwas mehr Barmherzigkeit und Vernunft entgegentreten, anstatt mit Gegenhass zu antworten? Nehmen wir damit dem Hass auf dieser Welt nicht das Futter, von dem er sich ernährt?
Troy Davis trat kurz vor seiner Hinrichtung sehr erhaben auf. Er beharrte bis zu letzt an seiner Unschuld, doch sprach er sein Verständnis gegenüber seinen Klägern aus. "Möge Gott euch verzeihen" - Sprach er, und ich hoffe die Leute werden sich noch ewig daran erinnern.
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